Grüß Gott, lieber Leser! Ich freu‘ mich, dass Du mit mir, in die zweite Folge von SOHLBERG HISTORY, einsteigsch! Genieße mir doch äufach z’samme, de Blick nunna uf die Rheinebene. Deutlich isch de Münschterzipfel von Straßburg zu erkenne, und am Horizont, vis-a-vis, die Vogese, als Pendant vom Schwarzwald.
Wenn ma ä hier hoch g’wandert und zur Ruh gekomme isch, kann ma sich durchaus ganz nah bei Gott fühle. Und des, als flügelloser Zweibeiner mit sei’m hoch dimensionierte Großhirn! Aktekundig g’worde, unter de Bezeichnung, Homo Sapiens.
Käu Ahnung, wie de erschte von derre Sort im Rheingrabe ufgetaucht isch. Als unser direkter Vorgänger, hatter sich b’stimmt au vor Lache als gekringelt. Wenn er de Zorn-Niggel markiert hat, besser mol de Kopf einziehe! Grad so wie unsereins!
Vollautomatische Bierflasche Abfüllanlage odda atomb’stückte Langstrecke Rakete hatter noch ned z’samme schuscht’re könne. Ma hat sich eher mit Steinzeit begnügt. In eine seßhafte Lebensweise überzugehe, war schon än harte Brocke genug. Und ma hat wirklich ned in de Schwazwald nei g’musst. Der war äufach nur undurchdringlicher Urwald, mit äm g’schlossene Blätterdach, und zabbeduschter.
Später vielleicht, wo se sich in de Bronzezeit besser ei’glebt hän, hätt scho mol passiere könne, dass sich än keltische Ureinwohner hier owwe rumgetriwwe hat. Seller Wunderfitz hätt b’stimmt sei Gründ‘ g’hätt, uf de Berg nuff zu steige. Für die Kelte wared tief, in de einsame Wälder versteckt, ihre Verbindunge zu de Götterwelt, zu de Seele’welte. Die Zugäng zur “Anderswelt“ wared frische Quelle, die aus’m Fels g’sprudelt sind, oder selle Stelle, wo ma hat ä Thermalbad genieße könne.
In ihrem Name von de Sonnegöttin, Sul, steckt scho des Wort, Sulfat, drin. Also Schwefel! De äune denkt vielleicht sofort an Hölle, de anner eher an herrlich‘ warme Thermalbäder. Und wo ma aus de Sole au noch Natriumchlorid raus koche konnt‘, denk ich ans Kochsalz für än göttlich leckere Wildsaubrate!
Vielleicht ä bissle Bärlauch dazu?
Bär, Wolf oder Auerochs wared in de Wälder allemol dohäum. Ä Fee? Än Waldwichtel? odda än Kobold? Des war in de magische Welt von unser’m Urahn neddemol unnormal g‘wese. De alte Reiz lebt heit noch, in unsere Märchen oder Fantasyfilme.
Es däd mich au ned wundere, wenn so än neugierige Druide uf de höchschte Baumwipfel von so äm Urwaldriese nuff gekraxelt isch, um än Blick uf de weite Horizont zu erhasche. Möglich isch, dass em dann ufg’falle war, dass die Römer ei’marschiert sin.
Die kame jetzat ned unbedingt in friedlicher Absicht.
De Cäsar hat selle Eingeborene gleimol als Gallier betitelt. Wer ned ans End von de damalige Welt ausg‘wandert isch, also Richtung Irland, der konnt als Galloromane hier am Rand vom Multikulti Römereich bleiwe. Vorausg’setzt er hat g’spurt!
De Keltefürscht, de Vercingetorix, hat ned g’spurt. Den hänn’se sechs Jahr lang ei’gekerkert, ummen dann, in de Hauptstadt am Tiber, öffentlich zu erdrossle. Somit war keltische Kultur wortwörtlich abg’würgt!
Die Legionäre hän dann a’stännig abg’holzt. Sie hän Ortschafte gebaut, und Militäranlage errichtet. Sie hän Stroße gebaut – am liebschte kerzegrad und sauber a’glegt. Wer will in dem sumpfige, loddrige, Rheingebiet au mit dreckige Sandale rumlaufe? Die wared schließlich die Vorläufer von de schicke italienische Schuhmode.
Ä wichtige Üwwerlandverbindung war die Stroß ab Argentoratum (Straßburg), üwwa de Kniebis, bis nuff uf Sumelocenna, also Rottweil, die älteschte Stadt von Baden- Württemberg!
Ä Römerstroß gäbbts ja heit noch in jedem Ort! Ich häb mol ä Mädle gekennt, die hat in de Römerstraße 14 g‘wohnt. Uf’m Gymnasium hatse sogar Latein g’lernt. Mit Barbare hat se awwa nix a’fange welle.
Barbare? Die sind zum erschte Mol im Jahr 231 n. Chr an de Grenzbefeschtigung, äm Limes, ufgetaucht. Erscht sind’s nur ä paar wenige Hansele g‘wese. Wie’s so geht: es wurde immer mehr! Die Legionäre uf de Wachtürm hän se könne middenanner flüschtere höre: wie komme mir do bloß durch? Je mehr se g’worde sin, um so lauter hat mer se krakeele höre könne.
Dreißig Jahr druff hän‘se ä Antwort g’funde. Durchbruch! Sie hän gebrüllt:
„Alle Manne! Uf äun Schlag! Nix wie durch!“
Oh je! Es gab viel Hännel mit denne Alemanne. Und dann noch denne ihr’m Killerdialekt! Drum war’s linksrheinisch besser zu lebe, middem Fluß als Grenz zu sellem Germanische Schurkegebiet. Do kannsch jo echt ned zugugge!
Die Barbare hän als gern Umzüg veranstaltet. So sind se mit Kärchle und Ufbaute um die Felder und Siedlunge rumenum gezoge, als wie wenn Fasent wär. Und dann hän se au noch üwwerzwerch Raubzüg üwwa de Rhein g’macht . Des hat em Kaiser Valentinian emol sowas von g’stunke, dass er ä römische Spezialoperation persönlich ins Alemanne Gebiet ang’führt hat. Wie ihm sei Roll als Triumphator zu Kopf g’stiege isch, wollt er ganz alläunig, än Erkundungsritt durchführe. Sei’m Diener hatter sein goldene Helm uf de Kopf g’setzt. Er konnt sich wahrscheinlich s’Grinse ned verbeiße. In äm Sumpfgebiet sind se allerdings vom Weg abgekomme. Hei jo! Und glatt in än alemanische Hinterhalt gerate. De Herr Kaiser konnt grad noch sei Pferd umdrehe, und im Schweinsgalopp, ab durch de Panama! De Diener wurd von keinere Menschenseele mehr g‘sehe.
Selle legendäre Schlacht, bei Solocinium, hän dann die Legionäre au ohne ihren Kaiser gewinne könne. De Kriegsberichterstatter, Marcellinus, schreibt: als in dem Schlachtelärm von Rumbrüllerei und Trommle, die Feldzeiche hoch g’hobe worde sind, hän de Salvius und de Lupicinius heldehaft de Angriff ang’führt. Bei diesem Waffengang isch ä Mädle ei‘gefange worde. Die Soldate hän des Mädle BIssula genennt. Und de Kaiser hat selle Sklavin äm Erzieher von sei’m Sohn, Gratian, g’schenkt. Der Mann war achtefuffzig Jahr alt und hat Decimus Magnus Ausonius g’heiße. Er hat sich, Hals üwwa Kopf, so in sei Sklavin verliebt, dass er se ziemlich bald – mit Handzeichen – aus de Sklaverei entlasse, und mit uf Latium genomme, also richtung Hauptstadt. Er hat sogar ä Gedicht üwwa des Mädle, mit denne dunkelblaue Auge und blonde Haar, verfasst und denne Text äm Freund uf Bordeaux g’schickt. Es hat au g’heiße, dass unser Bissula uf die Römer ned sauer war, weil se ganz gern ihr altes Lebe, mit denne Annehmlichkeite im Lateinerland, getauscht hätt. Gelungene Integration halt.
Awwer Hallo! Wie’s grad so luschtig war, sind dann die Franke ufgetaucht. Die wared die “Stärkschte von de Klass“ unner de Germanische Stämm‘. Fränkische, Merowinginger Herrschaft hat sich durchg’setzt. Ä Kälteperiode in Europa kam au noch dazu. Do war dann langsam Schluss mit Römer! Wie ma beim Friere enger z’sammerückt isch: au noch Pandemie! Pescht und Cholera!
In denne Umbruchszeite, von Antike zu Middelalter, hat dann än Warlord, namens Chlodwig, de komplette Lade üwwernomme. In sei’m Weiße Haus – odda vielleicht au weiße Zelt – hatter ä große Show abgezoge, wie er sich hat zum Chrischte taufe lasse. Des allerdings, war vorausschauend!
Im Rückblick war bei de Gallier die Göttin, Sul, de Superstar g’wese. De Kaiser Aurelius hat dann aus derre, de Sonnegott, Sol Invictus, g’macht, mit Geburtstag, 25. Dezember. De ehemalige Gott, Merkur, hatter zum Deifel g’schickt. Wahrscheinlich isch uf’m Sohlberg au än Aussichtsturm g’stande und än Tempel, wie ma ihn heitzudag, geggeüwwer in de Vogese, uf’m Donongipfel, als Nachbau b’staune kann. Sohlberg, Nomen est Omen.
Viel später in derre G’schicht, 171 römische Kaiser lang, isch de Konstantin in Byzanz g’hockt, und hat üwwerlegt, was jetzat emol ä wirklich effiziente Staatsreligion sei könnt. Es galt, ä Wahl zu treffe, zwische Mithras, Sol Invictus, odda Christus. Er hat Nr. 3 genomme. Sei Mudda, die heilige Helena, hat ihn wohl au gut im Blick g’hätt. Die soll ja s’Kreiz Chrischti in Golgatha g’funde habe.
Was hat sich daraus zuletzscht für’s Ländle ergebe?
Genau! Plötzlich sind immer mehr Boote angekomme. Irgendwo aus de Gegend um Irland rum. Mit ganz merkwürdige G’stalte! Ich sagmol bloß St. Patrick und keltisches Christentum. Die hän fremdländische Lieder g’sunge, dass die Fischer am Rheinufer bloß noch g’staunt hän. Name hän’se g’hätt wie Columban, oder Bonifatius und so. Awwa irgendäuner von denne, hat als Eremit, de Liebe Gott mit uf de Sohlberg nuff getrage.
Wie middags, gegge zwölfe, ä alemannisches Dorfhexle in de Gegend unnerwegs war, isch se plötzlich z’sammeg’fahre und voll erschrocke! Was war jetzat des?
Jo! Dorfhex‘ ! Seller Spezialischt do uf’m Berg, hat ä Kirchle z’samme gezimmert. Und grad bimmelt er die Glock!
Ich glaub, s’fangt bald zu Regne an. Mir geh’n liwwa z’rück zum Audo und freue uns auf Folge 3 : DE JOCKELE
14. März 2026
SOHLBERG HISTORY Folge 2 : Wie de Liebe Gott uf de Sohlberg gekomme isch

Buddy Hills

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