7. April 2021

Rehagschichtle

Judith Rimmelspacher

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‘s heißt nimmeh Kur, ‘s heißt Reha, Kur des war mol mit dem
berühmte morgens Fango, obends Tango, des gibt’s nimmeh, wo
en Kurschatte hasch angle könne un heimlich durch’s Hinnerdürle
in Dei Zimmer gschliche bisch. Des weiße nur von Erzählunge,
wenn die Kurmänner- un Fraue in denne selige Zeite schwelge. Ich
bin ‘s erschte Mol do un weiß no net, was me erwartet.
Eine hat sich glei beschwert, wo se akomme isch un mir die
Aushäng studiert hen. Lauder Regle, die ganze Wänd hänge voller
Zettel. Sie beschwert sich, sagt se, weil do net Rehabilitandinnen
steht, nur Rehabilitanden. (‘S heißt nimmeh Patiente.) War die bees!
En Mann sagt, des isch doch net so schlimm, mir sitze doch alle im
gleiche Boot un alle sin so freundlich hier. Nein, sagt se, Nein un
ruft laut Hallo zu dene Empfangsdame nübber. Jetzt sin se doch net
so streng, sage zurer, mer könnt jo zu uns Fraue Rehabilitanten mit
T sagen (strenger Unterton!) und die Männer sin Rehabilionkel
(weicher Unterton).
Alle lache, nur sie net, sie findet’s gar net luschtig, wenn Blicke töte
könnte, däte sofort dot umfalle. Dann beschwer de halt’ ruft en
Mann, un leise zu mir, so e alde Emanze, ich geh jetzt erscht mol
Koffer auspacke.
Ich bin jetz scho zwei Woche do, die Aushäng sin net geännert
worre, die Beschwererin isch immer noch do, guckt immer
grießgrämig, hat an allem was auszusetze, debei kann mer sich
wirklich net beschwere. Alle sin so freundlich, die Therapeute sin
gut, die Ärzt, na ja, einer so, einer annerscht. Sie hopft rum wie e
junges Reh. Ich glaub’ ich frog se jetz mol, wasse hat. Mer muss
immer hinner de Mensch gucke, hat mei Mama immer gsagt, warum
manche so sin wie se sin. Des mache, Mama, meh wie dasse sagt,
ich soll se in Ruh’ lasse odder me beschimpft, kann se net. Des
kanne aushalte. Ich geh jetzt erscht mol zum ElektroVolt, do binne
uffglade un kann allem d’Stirn biete a derre Rehabilitandin. Ich
schreib Eich nochmol, wie’s ausgange isch.
Gruß vom Dobel März/April 2021

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