13. April 2022

Oschtergericht – äh -gedicht

Petra Rieger-Bühler

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Am Heidesee, do uff de Blumewies

spielt ’s Hänsle mit de Annelies,

als blötzlich wo im hohe Gras

die sehe: Do bewegt sich was!

Dann komme grad mol – eiderdaus,

zwoi lange, braune Ohre raus,

un scho zeigt sich an dere Stell

e goldig’s Tierle so aus Fell.

Voll Freud über den scheene Dag

stelle die Kinnerlen die Frag:

„Bisch Du vielleicht de Oschterhas?“

Dem Häsle zuckt vor Angscht sei Nas:

„Nai“, sagt des, „bin bloß e Kanickel,

wie schnell hat en Mensch so en Has als am Wickel,

ich bin doch net bleed, klau de Hühner die Eier,

bloß wege so rer komische Oschterfeier!

Des isch ma z‘ g’fährlich, ich verschwind lieber im Bode,

bitte sagt nix dahoim, duht mi jo net verrode!“

Die Kinnerlen nicke un komme zu zwei‘n

zum Obendesse noch rechtzeitig heim.

 

Sie basse gut uff un spitze die Ohre.

Seit wann sin so Häslen zum Schlachte gebore?

Bei uns gebt’s die alle doch bloß aus Schoklad!

Aber was, wenn des Tierle doch recht g’habt hat?

Womöglich gebt’s Fleisch un aa noch mit Soß,

des riecht scho so – mm – ess ma d’ Nudle jetzt bloß?

„Frohe Oschtern“, sagt d‘ Mama un holt e frisch’s Glas.

Im Backofe brotzelt – en falscher Has.

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