19. Oktober 2021

Jetzt horch a do no!

Thomas Heitlinger

Kommentare

Jetzt horch a do no!
Der Mundart – Dichter – Weg am Turmberg bietet Ohreschtraichler vom Feinschte

Ein großer Tag für die Mundartinteressierten in und um Durlach. Bei Bilderbuchwetter wurde die jüngste kulturelle Attraktion am Karlsruher Hausberg vorgestellt und seiner „Bestimmung“ übergeben. Wobei das mit der Bestimmung wörtlich zu nehmen ist, denn an 7 Stationen kann man über eine App die Texte von 7 mit Durlach tief verbundenen Autor*innen lesen und auch !hören.
Die 5 noch schaffenden Dichterinnen und Dichter mit kernbadischem Zungenschlag waren als Ansprechpartner dabei, als Ortsvorsteherin Alexandra Ries den zum „Laafe un Horche“ einladenden Rundweg mit einem informativen Grußwort offiziell eröffnete. Nach einem Glas Sekt vom Staatlichen Weingut und einer kernigen Wegzehrung im Voraus, lud das schöne Herbstwetter eine stattliche Schar gespannter Mundartliebhaber zu einer Erstbegehung ein.
Neben den Autor*innen Sabine Marona, Iris Treiber, Adin Hassa, Klaus Eppele und Wolfgang Müller, waren mit der Durlacher Bibliothekarin Susanne Krauthauser, die im vergangenen Jahr den Anstoß zu dem Dichterweg gab und dem stellvertretenden Ortsvorsteher Martin Pötzsche als Befürworter und Vorantreiber der Idee vor Ort zwei wichtige Paten anwesend und freuten sich mit den Poet*innen über die Realisierung dieser anregenden sinnlichen Attraktion für’s Aug und für’s Ohr direkt vor de Nas.
Der Dichterweg soll und wird nachhaltig dazu beitragen, die in der Turmbergregion über Jahrhunderte gebrauchte und gepflegte Umgangssprache zu würdigen und zu stärken und* oder wieder neu ins Blickfeld und die Gehörgänge zu rücken.
Sabine Marona ist mit dem Durlacher Dialekt von jugendan verwurzelt und deshalb mit dem Hochdeutschen „nie so recht ainich worre“. Deshalb denkt und schreibt sie „Dorlacherisch“.
Adin Hassa kam über die englischsprachige Folklore, die ja recht bodenhaftig ist, zum ähnlich angesiedelten Dialektdichten und ersinnt freche Liedtexte und „zündende“ Kurzgeschichten.
Iris Treiber leuchtet seit 20 Jahren in die zwischenmenschlichen Beziehungen hinein und reflektiert in ihren Texten ungeschminkt, was ihr dabei auf- und einfällt.
Klaus Eppele gibt in seinen Kurzgeschichten die Lebenserfahrung weiter, dass der Dialekt Zusammengehörigkeitsgefühl stiftet und die Verbindung festigt zu der Gegend, aus der man kommt und die einen geprägt hat.
Wolfgang Müller weist sich mit Heckerhut, den Fasanenfedern und Kokarde zieren, als leibhaftiger Badener aus. Seine Heimat- und Naturverbundenheit kommt in seinen Texten genauso zum Tragen wie die „hälinge“ eingewebte Aufforderung, Vielfalt anstatt Einfalt im Denken und im Handeln zu propagieren und auch vorzuleben. So steht das noch oft gebrauchte pfinzfränkische Dialektwort „anneweg“ nicht bloß für das härter klingende „nichtsdestotrotz“, vielmehr zeigt es behutsam eine denkbare Lösung – äwe uff eme annere Weg. „Ma kann mit wenigen Worten Wesentliches sagen und mit wenigen Schritten naheliegende Ziele erreichen“, lautet sein Credo.
Die Auswahl der Audio-Beiträge und die Ausblicke an den Haltepunkten werben jedenfalls für eine Vielfalt von nachhaltigen Eindrücken und legen den lohnenden Schluss nahe: Den Turmberg-Dichter-Weg nemme mer noch mit uff in unser Herbschtwanderprogramm! Alla!!
Awwer s’Smartphone dirfe mer halt net vergesse – wege dere App…

Dank an Wolfgang Müller für den Bericht.

 

1 Kommentar

  1. Angelika Futterer

    Hallo Thomas un Wolfgang,
    wär seller Wanderweg innerhalb vum negschde Symposion in Durlach zu weit zum Laafe odda ded’er zuviel Zeit in Oaschbruch nemme ?

    Antworten

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