22. März 2020

Gastbeitrag von Markus Manfred Jung: Jetz denk!

Thomas Heitlinger

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Jetz denk!

Hock i doletschti im ICE im Speisewage, -gottseidank git s die Oase no in de Sörwisswüeschti-, trink e Glesli Rote un korrigir Dütsch-Ufsätz, well-, s isch so schön Platz am Tisch. Chunnt do e Frau, hockt ab gegenüber, grüeßt churz un bschtellt „das Gleiche wie der Herr da“. Eigentli han i kei Luscht zum schwätze un korrigir flissig wiiter. Si fixirt aber so lang mi Scheitel, magisch, dass i nit anderscht cha un ufluege mueß. „So, Sie sind au im Rotstiftmiljö tätig“, sait si mim e Schmunzle. Mi dunkt des gschpäßig, i lach un wirf dä Balle glii wider zruck un denk im Stille, dä Spruch muesch der merke. „Jo, jo, i bi allbott am Animire, des stimmt“, sag i, „un proschtituire muen i mi mänkmool au, usschtelle halt, de Chaschper makire, s Innerschti usechehre, flattire, scharwänzle, dass jo au öbbis goht im Unterricht. Do hät s jo ne Hürli no besser, wo numme warte mueß, bis d Chundschaft freiwillig chunnt…“ I ha mi warm gschwätzt un hett no lang wiiter an däre wunderbare Allegorie bäschtelet. Aber si hät mi ganz ernscht agluegt. „Meine Sie nit, des isch e bissele viil Rot in däne Aufsätz doo?“ O jegisnei, dohär pfifft de Wind, han i denkt. „Nei, nei, luege si numme“, sag i do gschnell, „i schrib jo au Guetis in Rot, sehn si, doo, „guter Gedanke“ stoht do.“ Wo si nüt sait un mi numme so komisch aluegt, sag i: „Si sin doch au Lehreri, korrigire si öbbe mit Grüen?“, – Grün der Hoffnung chan i mer grad no verkniffe-, „s Schlechti aaschtriiche, damit alles besser wird, des isch doch unsre Tschobb welewäg, oder?“
„Ich bin kein Lehrer“, sait si, un ii wart. „Ich arbeit z Freiburg, an der Uni-Klinik, in der Psychiatrie“, sait si. „Un in meiner Abteilung, Spezialbteilung, sin lauter Lehrer.“

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