20. März 2020

Gastbeitrag: Ausnahmezustand von Petra Rieger-Bühle

Thomas Heitlinger

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hoffentlich isch er bald vorbei:

Ausnahmezustand

Ach herrje, des isch e Graus,
alles fallt de Reih nach aus!
Wie hab i g’freut mich uff „Barock“,
wenn in de Feschthall ich ball rock
do mit mei’m Schatz wie immer easy
uff geile Sounds von AC/DC.
Pfeifedeckel, Satz mit X,
des isch abg’sagt, war wohl nix.
Ob Lesung, Konzert, einerlei,
me isch grad nirgends mehr dabei,
Sport, Theater kannsch vergesse,
Geischterspiel isch aagemesse.
Kita, Schul un Kinnergarde,
überall musch jetzt mol warde
wie des Ganze weidergeht –
wenn’s zu hat, kommsch aa net zu spät.
Wenn d‘ do zur Zeit grad Eltern bisch,
die ganz Corona hockt am Disch –
nai, net des Virus, bloß dei Kinner,
die sin de ganze Daag jetzt immer
daheim un brauche Dich, jawoll (!)
un quengle Dir die Ohre voll.
Wenn d‘ müschtsch ins Geschäft un sitzsch do fescht –
Alder, des gebt der noch de Rescht!

Egal, wo d‘ hie willsch, ‘s geht nix meh,
me derf nimmeh in d‘ Sauna geh,
des isch für mich de gröschde Schock,
‘s Immunsystem, des läuft Amok,
des war des g’wöhnt de ganze Winter
un jetzt – do blick i net dohinter. (???)
So was G’sundes eizufriere,
bei 90 Grad, do sind die Vire
doch ratzebutz alle verbrannt
un klebe doot am Handtuchrand.
Kei nacktes Wohlbefinde mehr
im Saunahof, des stinkt ma schwer,
kei Schwimme, cooles Wassertrete
im Tauchbecke, was isch von nöte,
um fit un grad jetzt g’sund zu bleibe
nach Herzensluscht im Bad zu kneippe.
Des muss doch wirklich gar net sei,
sonscht – alles annere seh i ei.

Jo, wenn’s was nützt, was ma jo hofft,
dann wolle ma uns do draa halde,
immer d‘ Händ wasche ganz oft
isch gut für Junge und für Alde.
Me muß halt au emol verzichte
für’s allgemeine Wohl un Weh,
me schützt sich selber laut Berichte,
daheim sei, des isch aa mol schee.
Schweinegripp un Vogelpescht,
des alles hemma überstanne,
so Vire sin meischt, glaub ich fescht,
wenn’s warm wird, eigegange.
Corona hin, Corona her,
es gibt bestimmt en Impfstoff bald,
keiner traut jetzt keinem mehr:
„Bleib ma vom Leib, geh in de Wald!“

Me nimmt sei Lebe selbst in d‘ Hand
un löst des alles mit Verstand
mitnanner, wie ma meint,
aber ohne Liebe unnernanner
isch der ganze Mensch
sich selbst oftmols
sein allergröschter Feind.

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