20. Januar 2021

Denn der Rhein isch tief un breit!

Thomas Heitlinger

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Denn der Rhein isch tief un breit!

Die oft beschworene Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich ist 150 Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg in eine Sackgasse geraten. Gerade im März 2020 zu Beginn der Corona-Krise wurden urplötzlich auf deutscher Seite Grenzposten durch Bundespolizei und den Zoll errichtet. Institutionen also, die im Allgemeinen nicht als grenzüberwindend einzuordnen sind.
Gerade den vielen Grenzgängern im badisch-elsässischen Bereich wurde durch diese Maßnahme eindrücklich und schmerzhaft die Fragilität der europäischen Einigung vor Augen geführt.
Zwar hat man in der Vergangenheit zahlreiche Institutionen und Organisationen im grenzüberschreitenden Bereich wie Pamina oder den Oberrheinischen Rat ins Leben gerufen. Offenbar aber hat man dort das wesentliche, nämlich die Menschen aus den Augen verloren und sich auf Radwege, Fischtreppen oder organisatorisch-administrative Aufgaben beschränkt.
Der kulturelle Austausch bezogen auf einen wesentlichen Teil des Menschen, nämlich sein Sprache in einem Sprachraum ging verloren, es ist jetzt gerade an der Zeit ihn wieder zu erwecken.
Sprachräume sind im Laufe der Zeit gewachsen. Weder landschaftliche noch politische Deformationen sind in der Lage, sie einzudämmen oder einzugrenzen.
Es ist an der Zeit diese Umstände speziell im Deutsch-Französischem und hier speziell im badisch-elsässischem Verhältnis anzugehen. Unsere Herausforderungen, unsere Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen sind die gleichen, ob diesseits oder jenseits des Rheines.
Der Rhein ist tief und breit, das ist wahr. Es hindert uns aber niemand daran, mindestens die literarischen Brücken zu bauen und zu begehen. Un wer es mit Deutsch oder Französisch schwer hat, der darf auch ruhig auf das Badisch-Südfränkische oder das Elsässisch-Alemannische ausweichen.
Irgendwie werden wir uns so immer verstehen.

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