1. Januar 2026

Badische Gutsele, Januar 2026, Rückblick und Ausblick

Thomas Heitlinger

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Badische Gutsele, Januar 2026, Rückblick und Ausblick

Ein Essay von Thomas Heitlinger © 2026

Immer wieder muss ein privater Investor sich die Frage stellen, ob die Investitionen in Zeit und finanzielle Mittel den Erfolg eines Projektes rechtfertigen. So erfolgt dies auch auf jährlicher Basis bei dem Projekt „Badische Gutsele“.

Auch in 2025 wurden wieder Mundart-Beiträge im höheren dreistelligen Bereich veröffentlicht. Die Zustimmungswerte bleiben in 2025 weiterhin auf hohem Niveau.

Die zugehörige Gruppe in Facebook liegt derzeit bei ca. 3.800 Mitgliedern und erreicht damit eine Steigerung um >30% p.a.. Einzelne Beiträge kamen mit entsprechender Bewerbung auf eine Reichweite von mehr als 10.000 Aufrufe. Ein großer Verdienst und Dank gilt weiterhin der Kooperation mit dem Badenkanal und namentlich Bernhard Asal aus Waldkirch.

Auch wurden in 2025 eine öffentliche Veranstaltung unter dem Label „Badische Gutsele“ im Rahmen der Literaturtage Karlsruhe organisiert.

Weiterhin wurde der Austausch über Grenzen hinweg gepflegt und intensiviert. Die Kooperation mit Edgar Zeidler und dem Verein AGATe aus dem Elsaß wurde in 2025 mit Teilen seiner Sprachstube fortgesetzt.


Die Bilanz außerhalb der sozialen Medien ist weiterhin stark rückläufig. Der im Januar 2025 beschriebene Trend des Rückzugs als private Angelegenheit bleibt erhalten und dies zeigt sich in den Zahlen. So wurden in den Badische Gutsele wie in den Vorjahren mehr Mundartbeiträge veröffentlicht und produziert, als in allen anderen bekannten Formaten in Nordbaden zusammen, den öffentlichen Rundfunk eingeschlossen. Dies bestätigt auch die Studie „Zur Lage der Dialekte in Nordbaden“, die im ersten Quartal 2026 in Auszügen veröffentlicht werden wird.

Der Versuch, mit den (Landes-)Institutionen in Kontakt zukommen bleibt trotz jährlicher Angebote zur Kooperation ohne Erfolg. Das Phänomen, das mit dem Anglizismus „Public Ghosting“ bezeichnet werden darf, schreibt sich fort. Die per Mail oder direkt angesprochenen Stellen reagieren nicht oder abweisend auf die Kontaktaufnahme. Ein solches Verhalten ist weder wertschätzend noch der Sache angemessen, aber bezeichnend für die insgesamte enttäuschende Situation der öffentlichen Kulturarbeit in Nordbaden (bezogen auf Region Karlsruhe/Kraichgau).

Belegen lässt sich das alles sehr gut mit Zahlen. Als Indikator und Gradmesser zählen hierzu die Anzahl der öffentlichen Veranstaltungen, die Veröffentlichungen an Büchern oder Tonträgern, die Berichte in den lokalen Medien und Zeitungen zu dem Thema Dialekt bezogen auf die Region Nordbaden (begrenzt auf Region Karlsruhe/Kraichgau).

Unabhängig davon wird das Projekt „Badische Gutsele“ in 2026 mit weiteren Innovationen weiterentwickelt werden. Hierzu zählen die sehr erfolgreichen Reels (8-15s. Kurzvideos) in Facebook bzw. Instagramm. Sehr erfolgreich war der Versuch, Alltagsgegenstände bezüglich ihres Dialektnamens zu präsentieren.

Leider lässt sich bis heute kein Geschäftsmodell für das Projekt finden, womit es auch in 2026 auf die Förderung aus privaten Mitteln angewiesen sein wird. Hoffnung versprechen dabei die erfolgreichen Werbekampagnen im Oktober und November 2025, die es ermöglicht haben, weitere Interessengruppen zu erschließen.

Die eigentliche Tragik liegt indess darin, und das findet sich in der Studie mit Nachweisen belegt, dass in der Zwischenzeit Dialektkultur speziell in Norden von Baden zum privaten Ereignis und damit auch zum täglichen Kampf um das kulturelle Überleben geworden ist.

Vielleicht ist es diese gerade diese Situation, die dazu motiviert, den Blog und die Gruppe trotz erheblicher Investitionen auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten.

Es bleibt das Motto aus 2025: Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand.

Thomas Heitlinger im Januar 2026

1 Kommentar

  1. Petra RieBüh

    Auf in den Kampf für’s Mundartdasein!!!