2. September 2026

SOHLBERG HISTORY – Folge Nr 5 – Schlimmer geht immer

Buddy Hills

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Sohlberg History – der Lauf der Geschichte im südfränkisch badische Dialekt verzählt. Ma könnt von viele Bezugspunkte aus schreiwe, hier isch de Ausgangspunkt än Berg. Und do drowwe sin mir an än Zeitraum angekomme, an dem mei Eltern, mei Großeltern, de äu odda anner Lehrer und Nachbar, persönlich anwese ware. Desdewege kommt sogar die eigene frühe Sozialisation von mir und au so  manchem Leser mit ins Spiel.
Im Mittlere Schwarzwald, net weit weg vom Karlsruher Grat, und de Allerheilige Wasserfäll, thront de Sohlberg mit seine g’standene achthunnert Meter hoch üwwa de Rheinebene. D’Wiese sin‘ g’mäht und än Bussard zieht am Himmel still sei Kreise. Am Owed isch de Sonneuntergang üwwa Frankreich prächtig anzusehe. Nachts isch mer hier, zwische dunkle hohe Tanne, äm Sternehimmel ganz nah. Frieden auf Erden, geht’s äum durch de Kopf. Und unser Blick wandert zurück. Wenn D‘ Zeit und Luscht hasch, mitzukomme:
Vom 28. Juli bis zum 30. Auguscht 1930 war hier owwe ä lautes und fröhliches Gewuusel! Kannsch dir net vorstelle! Um die hunnert junge Leit sind z’samme gekomme. Ich wäuß garned, wie die sellemols alle do hoch g’macht hän! Wahrscheinlich, die meischte mit de Dampfeisebahn. Hän de Schrankewärter luschtig zugewunke, wo se gekurbelt hän, und b’stimmt au ihr Scherzle middem Schaffner g’macht, der middem Knipse gar nimmer hinner gekomme isch.
Üwwa Offeburg, Oberkirch und am kläune Lautebacher Bahnhöfle ausg’stiege. Schließlich nuff g’wandert zur nigelnageneie Jugendherberg, Baujahr, ebbe 1930.
Uff alle Fäll hat de Karlsruher „Wandervogel“, Otto Abetz, des organisiert g’hätt und hat’s g’nennt: „Erste Überbündische Deutsch-Französische Jugendaussprache“.
Des Haus konnt garned so viel Jugendliche und Heranwachsende unnerbringe. Also hat ma noch ä großes Zeltlager ufstelle müsse. Die Deutsche ware vor allem Mitglieder von de „Arbeitsgemeinschaft Karlsruhe Jugendbünde“. Die junge Leit aus Frankreich hän eher aus denne ihre parteinahe Jugendorganisatione g’stammt..
Ma wollt sich uf dem Camp  mol eher zwanglos kennelerne, also ganz ohne Tagesordnung und ohne Ausschüss‘ zu bilde. Äufach mol beschnuppre! Äuner hat g’schriebe und g‘schwärmt:
„…und lustig ist es dort oben gewesen, bei Tisch und im Schlafsaal … Wenn deutsche Jugend ihre Lieder zur Klampfe sangen, da sprudelte der Übermut. Es gab auch einen Tanzabend, wo sich die feingliedrige Südfranzösin, die graziöse Pariserin mit den schwarzen Locken, gar seltsam vom geruhsamen deutschen Gretchen mit den hellblonden Flechte abhob….“
Wenn ma üwwerlegt: Die junge Leit wared alle so um 1918 plus-minus gebore. Im dunkle Schatte vom 1. Weltkrieg gelobten die Sohlbergfahrer feierlich, im helle Schein von äm mächtige Lagerfeuer, dasse mit gutem Beispiel vorangehe wollte. Als Versöhnung der Völker middenanner. S’Motto war: „Wir sind die beiden Flügel des Abendlandes. Wer den einen zerstört, lähmt den Flug des anderen“.

Als „Sohlbergkreis“ hän se sich später au noch an annere Orte treffe könne. Des ware ganz b’stimmt unvergessliche Jugenderlebnisse! Und des war jo noch Weimarer Republik. Schwer umstrittene Zeitperiode! Ma erinnert sich: De Thronfolger vom Großherzogtum Baden, de Prinz Max von Baden, war de Reichskanzler g’wese und hat in de Schlussphase vom Weltkrieg die Abdankung vom Kaiser bekannt gegewwe. Und widda typisch: alle häns g’wisst, bloß de Wilhelm net. Ma kannem Prinz zugute halte, dass in derre Sach‘ de amderikanische Präsident Wilson mords Druck g’macht hat.
S‘ Deutsche Reich isch jo sowieso gehörig unna Druck gekomme! Als Kriegsverlierer! D’Franzose hän de Schwarzwald kahl g’macht und ma hat mitgenomme, was net niet und nagelfescht war. In de junge neie Republik hän die äune frische Idee´ ausgeteschtet und annere‘ widderrum war des än Dorn im Aug‘, wie se halt au än Groll g’hätt hän. Unser Prinz Max von Baden hat’s Reichskanzleramt dann direkt an de Friedrich Ebert von de SPD abgetrete. Druff hatter sich liewer mit seinere Schulgründung und frische Idee´im Schloss Salem b’schäftigt. De ganze Dag Weltwirtschaftskrise und Elend isch jo au irgendwie zuviel!
Middem Wahlsieg der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei – im März1933 – hat sich dann allerhand g’ändert. De Leitgedanke „Deutschland, Deutschland üwwer alles“ wurd exzessiv durchg’setzt.
Uf’m Sohlberg owwe – und entlang vom ganze Schwarzwald – hänse für de Frankreich Feldzug Funktürm aus Holz uf’gstellt, bal‘ fuffzig Meter hoch. Dazwische Hackekreuzfahne. In de Jugendherberge war Wehrmacht unnagebrocht. Im Winter wurde junge Schlesier uf de Russlandfeldzug vorbereitet. Mit schwere Tornischter und denne lange Karabiner Flinte, uf de Ski die Abhäng nunna g’saust…. und widda nuff gekraddelt. De Bernauer Karl war de beschte Skifahrer vom Sohlberg. Der wurd de Skilehrer.
De Hitler war jo nur selte in de Gegend, awwer es muss’em doch g’falle habe. Im Jahr 1937 hat sein persönliche Diener, Heinz Linge g’schriebe: „In einem dieser feuchten und unwirtlichen Bunker wohnten Hitler und ich allein. Trotz dieser Tatsache fühlte man sich fast wie in der Sommerfrische. Einmal erschien ein bildhübsches Schwarzwaldmädel mit einer Erdbeertorte, die es Hitler überreichte und dafür von ihm zum Kaffee eingeladen wurde. Nachdem er das Mädchen verabschiedet hatte, wurden ich und einige andere Männer der engsten Umgebung Hitlers von der jungen Dame in ihr Elternhaus eingeladen. Ein fröhlicher Abend, der erst um fünf Uhr früh endete….“
Des kann ich mir gut vorstelle, wenn de Chef net debei isch….
Am 1. Oktober 1939 wurd‘ uf’m Kniebis, 1000 Meter hoch, Nähe Alexanderschanze, s’Führerhauptquartier Tanneberg gebaut. Dafür hat ma 43750 Tagwerk gebraucht. Ä Tagwerk isch des, was än Arbeiter an äum Tag schafft bei‘re Wochearbeitszeit von sellemols 56 Stunde. Ma hat aus de Umgebung än Haufe Männer herlocke könne, weil ma äufach s‘ Dreifache vom gängige Lohn bezahlt hat. Selle Leut hän allerdings in de hiesige Wirtschaft g’fehlt.
Rüschtung hot jo in denne Zeite Geld verschlunge wie nix un widda nix. Ma hat weitaus mehr importiere und mit harte Devise bezahle müsse, als Güter ins Ausland zu verkaufe. Die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH (MeFo) war sellemols au so än Oberkracher: Des war, im Grund, ä Scheinfirma von Unternehme aus de Rüstungsindustrie und Privatwirtschaft. Von denne gabs als Zahlungs- und Kreditmittel die MeFo-Wechsel. Fascht wie ä Art Sondervermöge und net so im Haushalt bilanziert. Awwer au selle Wechsel wared naturgemäß halt au mol fällig. Kurzum: 1938 war Deutschland ganz äufach bankrott.
Was isch näher gelege, als sich so schnell wie möglich, s‘ komplette jüdische Kapital anzueigne? De Gipfel im November isch als „Reichskrischtallnacht“ än Begriff.
De Staatshaushalt hat au, ganz klar, von Zwangsarbeit profitiert.
Sozialhaushalt?
Alla! Sog. „Nutzlose Esser“ hat ma äm Hungertod üwwerlasse, odder glei selwer aus de Welt g’schafft. Ab 1941 wars dann awwer doch so eng, dass mer allene des sog. „Eisernes Spare“ uferlegt hat.
In äum Satz g’sagt: De 2. Weltkrieg war än vorsätzlich geplante, und gigantische Raubzug und gleichzeitig ä mörderische Insolvenzverschleppung.
Vom 27. Juni bis zum 5. Juli 1940 war de Hitler dann nochemol ä wochlang uf FQH Tanneberg. In Eutingen im Gäu ischer middem Flieger g’landet. Newwe dem Führer Begleit Batallion war de Heinz Linge ganz sicher au widder debei. Sein Leibdiener-Vorgänger war übrigens än Karl Wilhelm Krause g’wäse. Awwer der hot während ‘em Üwwerfall uf Pole vergesse, äm Führer ä Flasch‘ Fachinger Mineralwasser zu bringe. Er wurd‘ g’feuert. De SS Offizier, Heinz Linge, mit Ausbildung in de Hotelfachschul‘ München-Pasing, war dann bis zum Schluss de Kammerdiener vom Führer.
In derre Woch am Kniebis war au de Gauleiter von Baden und Elsass, de Robert Wagner, mit von de Partie. Der war als Robert Backfisch in Eberbach am Neckar uf‘gwachse. Uf’m Sohlberg haddem ä kläuns Jagdhüttle g’hört. Des steht heit noch. Er war än alde Kumpel vom Adolf, noch aus de Anfangszeite. Für den Uffenthalt im Tanneberg hadder alles akribisch organisiert g’hätt. Die Mädle aus de Gegend hän für denne Besuch natürlich allesamt Trachtekleid trage müsse. Ganz b’stimmt war ä Mädle ganz aus’m Häusle, wo ses G’fühl g’hatt hätt, de Führer hätt se a’fgeguggt. De Hitler hat allerdings in denne Tage sei Hauptaugemerk uf de geplante England Invasion g‘hätt.
De Gauleiter Wagner, an seinere Seit, war en harte Knoche. Für die – wie er g’sagt hat – „Elsässer Dickköpf‘“ hadder s’Konzentrationslager Struthof bei Schirmeck errichte lasse.
Die ganz G’sellschaft hat, aufgrund ihrem siegreiche Triumph in Frankreich, vom Kniebis än Ausflug nunna uf Straßburg g’macht. Des war än Spass, die neie Schwarzwaldhochstroß nunna zu fahre! Die Leit hän an de Stroßeränder unentwegt g’jubelt, d’Händ stramm nach vorn g’streckt und mit de Fähnle g’wedelt. Wieviel‘ Dickköpf, Dummköpf und Schlauköpf uf denne Stroße wared, isch im einzelne net belegt. Belegt isch awwer, dass 1945 die Nationalsozialistische Geischterfahrt geendet hat.
Sei Lebe be -endet, hat de Wagner 1946 vor äm französische Erschießungskommando im Fort Ney, nördlich von Straßburg. De Hitler hat bekanntlich, im Führungsbunker Berlin, mit sich selwer, Schluss g’macht. Unverzüglich im Mai ’45. De Goeppels hat ins gleiche Horn geblase und sei Frau samt sechsköpfige Kinnerschar mit in de Suizid genomme. De Göring hat – ohne Begleitung – uf Zyankali gebisse.
Die Russe hän de Kammerdiener Heinz Linge lang und länger in de Mangel g’hätt. Er war jo bis zu de letzschte Minute von sei’m Chef im Dienscht g’wese! Die Sowjets hän des End vom Diktator schon ziemlich skeptisch hinnerfragt. Dank Adenauer ischer widder häum’komme.
Ab September 1955 hat de Heinz Linge umg’sattelt und wurd erfolgreicher Handelsvertreter für Nordmark Fertighäuser.
Nach m’Krieg wurd die Sohlberg Jugendherberge widder ihrer eigentliche Bestimmung üwwergäwwe. Ja, de Sohlberg wurd in de Umgebung sogar zu äunere bekannte „Party Location“. Än gude Freund vom Herbergsvadder hat nämlich prima Beziehunge zu de Firma Hohner in Trossinge g’hätt und isch so an Akkordeons gekomme. Die hatter in de Gegend an d‘ Baure Söhn verkaufe könne. So mancher hat sich drag’setzt und erfolgreich g‘lernt. Newwe m’Sohlberghaus hat ma uf’m Fundament von de Vorgänger Jugendherberg ä Betonplatt druff g’setzt. Unne drunner a paar Säu g’halte, und obbe druff hän se luschtig zu de Quetschkommod‘ gedanzt.
Wie konnt ma sich owwe versorge? Zu Fuß middem Rucksack. Wie’s käun Benzin und Diesel gäwwe hat, isch ma hergange, hat alde Militärlaschter widder z’sammegebaut, uf die Ladefläch‘ än Holzofe‘ montiert, und wenn ma mit wenig Sauerstoff Feuer g’macht hat, und des Holzgas äm Motor zug’leitet, konnt ma mit so äm Holzvergaser fahre. Wenn au net so schnell.
Wie Kälte und Hunger Pate g’stande sin, als es drum ging, so ä wirklich verdammtes Land, im Herze Europas, widder uf de Weg zu bringe, hän die Leit aus Nix  und Garnix doch als irgendebbes mache könne.
Heit kannsch mit feschte Schuh‘ und Outdoor Kleidung und ä Adidas Kapp do owwe stehe und üwwer die Rheinebene gugge. Deutlich isch de Münschterzipfel von Straßburg zu erkenne, und am Horizont, vis-a-vis, die Vogese, als Pendant vom Schwarzwald. Die Städle liege friedlich im Tal und die Leit bewege sich in de Ortenau und gradso im Elsass, äufach wie se welle. De Traum von de junge Leit vom Sohlbergkreis hat sich dann doch noch irgendwann wirklich erfüllt g‘hätt.

Fortsetzung von Sohlberg History folgt als: ACH, WIE SCHEE ISCH DIE BRD

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