4. Juni 2026

SOHLBER HISTORY FOLGE 4 AUS GRAUER STÄDTE MAUERN

Buddy Hills

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Halli Hallo, hier in de Folge 4 von de Badisch Prosa Serie, Sohlberg History. Mer braucht natürlich widder Zeit und feschtes Schuhwerk für die Lesestreck! Alla, wenn’s beliebt:

In unsere Wohngebiete entdeckt mer heitzudag immer mol widder, als Farbdupfer im Garte, die Badisch Gelb-Rot-Gelb Flagge, sauber an de Fahnemascht g’hängt. Oft sogar mit Aufdruck vom großherzogliche Wappe. Jetzat hockt mer vielleicht au grad g’mütlich in dem Garte drin und hört sogar noch, wie  ä Amsel singt.

Wie nämlich vor Zeite, von Frankreich her, die Revolution zu uns nüwwa g’schwabbt isch, und wie de Napoleon sei Habitat vergrößere wollt, do isch’s de Amsel eing’falle: Mer könnt doch, als purer Waldvogel, sei Lebensart äufach mol verändere, und die menschliche Kulturlandschaft als emsig‘ Amsel besiedle. Ä kläune biologische Revolution eigentlich, und ganz ohne Kanonedonner und Blechmusik.
Vielleicht isch im Sommer 1777 zufällig ebba vor sei’m Haus g’hockt, und hat als aller erschter von allene g’staunt und bemerkt, was do plötzlich für än holde‘, neue, Sänger im schwarze Frack, uf’m Dachgiebel zur Abendstund‘ konzertiert.

Ganz gewiss fand er die Lebensraumerweiterung von de Amsel weitaus angenehmer als die Einquatierung vom  Monsieur Bonaparte und seinere Soldateska.

In de letschte Folge Nummer 3 von Sohlberg History, hän mir uns jo noch fröhlich im Heilige Römische Reich rummenum getummelt. Awwer jetzat hat de Napoleon alles b’setzt. Straßburg, Zabere, Schlettstadt und so weiter und sofort…..S’scheene Elsass!

Wie er schließlich für die linksrheinische Länder au noch de Rheinbund gegründet hat, wo die ganze Kleinstaate hurtig ei’getrete sind – außer Frankreich selwer – war’s Heilige Römische Reich obsolet. Es wurd am 6. Auguscht 1806 abg’schafft. Do hat de letzschte Kaiser, de Habsburger Franz de Zwäute, sei Kron und de Kaisertitel abg’lege müsse. Selle alte Kaiserkron, im Original uf de Wiener Hofburg, kann mer als koschtbare Nachbildung in de Palz, uf de alde Stauferische Reichsburg Trifels, bei Annweiler, heit noch bewundere.

Seller Franz de Zwäute, hat sich awwer net lumpe lasse! Er hat sich domols äufach in Franz de Erschte umbenennt und wurd Kaiser von Österreich. Kaisertitel isch jo scho ebbes, uf was mer net gern hergebbe will! Und sellemeols, de bayrische Beckebauer Franz? Der hat dann gar käu Kron mehr gebraucht. Dem war de Kaisertitel scho g’nug!

De Napoleon hat, wie jeder, der nach de Sterne greife will, sei Waterloo intensiv erlebt und sei‘ Stern isch rapid schnell g’sunke. De Adel isch aus de Deckung raus gekomme, und mer hat sich jo in Wien getroffe, hat dreißig Joahr lang dischputiert, und’s Feire hat mer au net vergesse. Zum Walzertakt – und mit’m äu odder annere Tritt gege s’Schienbein – wurd‘ die europäisch Landkart deutlich umgekrempelt.

Baden isch jo, im Endreffekt, vom Napoleon persönlich zum Großherzogtum g’macht worde. Uns‘ri direkte Nachbarschaft, d‘Kurpfalz – wo jo die bayrisch‘ Familie Wittelsbacher gern die Kurfürschte g’stellt hän, war als Staat komplett zerschlage. S‘Land linksrheinisch isch französisch g’worde, und rechtsrheinisch sind die ganze scheene Gebiete von Schwetzinge, Heidelberg, Mannheim, Bruchsal und so weiter, vom gallische Imperator an selles neu gegründete Großherzogtum Baden abgegebe worde. Die Bayern hän sich do drüwwer jo unglaublich g’ärgert g’hätt. Awwer in Wien hän se beim Gipfeltreffe wenigschtens, rechts vom Rhein, die Palz gekriegt und de Metternich hat g’sgt: „P’halts.“.
Baden hat sich geischtesgegewärtig von de Franzose losg’sagt und sich stattdesse Preußen als Schutzmacht a’gedient. Und wie jo beim Rußlandfeldzug an die 6800 Badische Soldate debei g’wäse sind, war’s ä Glück, dass de Russische Zar zufällig de Schwager vom Großherzog Karl Ludwig Friedrich g’wäse isch und ä guds Wörtle eing’legt hat, dass die Badner ihr Ländle b’halte konnte.

Zum Ei’ordne:
De Karl Ludwig Friedrich hat sein Job am 10. Juni 1811 angetrete.
Und er war de Enkel von sellem Karl Friedrich, der als erschter Markgraf, 1806, zum Großherzog befördert worde isch.
Jener Karl Friedrich war bekanntlich mit dreiundsiebzigjähriger Amtszeit, von 1738 bis zu sei’m Tod im Juni 1811, äuner von de längscht regierende Monarche der Geschichte! Er war also drei Jahr länger in Amt und Würden, als die uns wohlbekannte Queen Elisabeth von Großbritannia! (Au wenn er schon mit 10 Joahr de Titel gekriegt hat.)
Und ihm sein Obba wiederrum, war seller Karl Wilhelm von Baden-Durlach, tätig als Markgraf, von 1709 bis 1738, der bekanntlich bei de Jagd im Haardwald ei’g’schlafe isch und vom Schloss mit Fächerstadt geträumt hätt.

Wie kann ma bei de Jagd eigentlich ei’schlofe?
…..ich trinke Jägermeister, weil……. Ich 1715 mei Residenz Carolus Ruh baue werd!

Kurzum, nach de französische Ära hat sich‘ s‘ Großherzogtum Baden, 1818, zu äm wirklich erfolgreiche , damals moderne, Kunststaat g’mausert. Um die ganze verschiedene badisch alemannische, kurpfälzische, fränkische, schwäbische, ehemals österreichische, Landsleit, unna äun einzige Hut zu bringe, hat’s gute Köpf gebraucht, die ä Verfassung g’schmiedet hän.
So ä Verfassung kriegt mer net aus heiterem Himmel g’schenkt. In derre mittlerweile Konstitutionelle Monarchie sind die Abgeordnete, im Badische Landtag, zusehends an Selbschtbwußtsein g’wachse. s’isch klar, dass se versucht hän, soviel wie möglich an bürgerliche Rechte raus zu wringe. Wenn se äm Großherzog zu üwwerzwerch g’worde sind, hat er de Landtag alsmol kurzerhand ufg’löst.

Es hat sich sellemols allerhand entwickelt: ä anständiges Zivil- und Strafrecht, sowie ä neues metrisches System für Maße und Gewichte. Schule, Bildung! S‘Polytechnische Gymnasium in Karslruh zu reformiere, war klug. Und mer hat ä staatliche Eisebahn uf die Schiene g’setzt, natürlich de Rhein begradigt, de Monnnemer Hafe‘ umgebaut, äm deutsche Zollverein beigetrete, und än Haufe annere Schritt‘ nach vorn g’macht. 
Frankreich hat derweil endgültig sei Staatsgrenz‘ von de Vogese an de Rhein vor geschobe g‘hätt. S‘ nachbarschaftliche Elsass wurd ab do von Paris aus regiert. Die Amtssproch hat g’wechselt in Französisch. Somit war do plötzlich ä echte Sprachbarriere. Was vorher jahrhundertelang hüwwe wie drüwwe, üwwer de Rhein, so vertraut war, hat sich jetzat ziemlich schnell vonnenander entfremdet.

Uf de alde Landkart von de damalige Deutsche Länder, sieht mer, unne am Rhein, s’Großherzogtum, und weiter, im südliche Teil, s’Königreich Württemberg und Königreich Bayern. De ganze annere Teil dagege, owwerhalb vom Main, war Supermacht Preußen, einschließlich seinere Provinze, Sachse, Thüringe.

Wie’s käu Fernseh gegäbbe hat, und au käu Internet, und wie solche Staatsg’schäfte irgendwo fernab abg’schlosse worde sind, hat d’Normalbevölkerung erschtmol net soviel davon mit’kriegt. Viele wollte jetzat au äufach mol ihr Ruh von demm ganze Gedöns. Biedermeierzeit!
Ach, hätt‘ ma net in em beschauliche Seelefriede äiufach ‘sei Tagwerk vollbringe könne? Oweds ä Pfeifle anstecke und ä Viertele schlotze? Isch es net ufregend g’nug, wenn mer im Prälat, Johann Peter Hebel, sei’m Rheinische Hausfreund blättert, und ä neue Kalenderg’schicht lese dud?
Und isch es net ä Pläsier, wenn d’Lisel zum Klaviergeklimbers, ihr‘ Schubertliedle so schee falsch singt? Muss mer immer neue Idee und Ferz im Kopf habbe?
Mer könnt mit em Biedermaier mitfühle! Es kam awwer – leider! –  üwwer’s ganze Land, durch Pilzbefall, die Kartoffelfäule. Dazu isch die Weizen- und Roggenernte witterungsmässig glatt ausg’falle. Hungerjahre! In ganz Europa war de Deifel los! Liberale Opposition gege die Obrigkeit. Bittere Armut einerseits, dem gegeüber reiches ufblühendes Großbürgertum. Reaktionäre Sturheit newwe Revolutionäre Radikalisierung im Badische Landtag. Und drauße, uf de Stroß! Des kann net gut gehe.

Mit de Revolution 1848 war’s dann widder Schluss mit Luschtig. Zuletscht wurd die Festung in Rastatt, die vom Deutschen Bund als Bundesfestungsanlage, 1848, in Betrieb genomme war, bei der Meuterei von badische Militärs, von Preußischen Truppen eingenomme. Die Revolution wurd volle Kanne niederg‘metztelt. Man kann ä Lied von singe.

Traumatisiertes Badisches Wiegenlied, erschte Stroph‘:
„Schlaf, mei Kind, schlaf leis, dort drauße geht de Preuß! Dein‘ Vadder hat er umgebracht, die Mudder hat er arm g‘macht, und wer net schloft in guter Ruh, dem drückt de Preuß die Auge zu. Schlaf, mei Kind, schlaf leis, dort drauße geht de Preuß!“

Von 1815 bis 1866 war s’Großherzogtum Baden, Mitglied im Deutsche Bund. Der war än Zusammeschluss von allene souveräne Fürschte und freie Städte, sowie Kaiserreich Österreich und Königreich Preußen. Ma hat in Frankfurt getagt. Es gab als Flagge Schwarz-Rot-Gold und als Bundeswappe de Doppeladler. B‘schlüsse wared mit ei‘facher Mehrheit gültig, awwer ma hat käu Staatsg’walt g’hätt.
Zerbroche isch des Ganze an de Rivalitiäte zwische Österreich und Preußen. 1866 gabs dann zwische denne beide die Schlacht von Königgrätz – am Oberlauf der Elbe,im Vorland vom Riesegebirge, in Böhmen, heut: Tschechje.
D’Preuße sind als Sieger vom Platz, durfte daher Deutschland nach ihre eigene Vorstellunge‘ neu ufstelle. De Deutsche Bund wurd‘ de Hase gegebe.

Ab 1871 hat s‘ Großherzogtum Baden dann sei Souveränität ratzfatz verlore, und isch ab do nur noch än teilautonome Bundesstaat vom Deutsche Kaiserreich gewese. Des wurd‘, wie mer weiß, nach m’Krieg gege Frankreich, in Versailles, wirkungsvoll proklamiert. Es gab viel Hurra uf de Kaiser Wilhelm de Erschte, und de preußische Minischterpräsident Bismarck war ziemlich happy, au wenn er uf de Bilder ernscht gugge dud.

S‘ Lebe von de damalige flügellose Zwäubeiner hat sich mit de Industrialisierung irgendwie komplett verändert! Mit de Gründerzeit sind die “Startups“ wie d‘Pilze aus’m Bode g’schosse. Villen, und öffentliche Bauwerke aus de Gründerzeit, im Jugendstil, lege heut noch ä sichtbares Zeugnis von de damalige Prosperität ab. Schaue mir uf’s damalige Stadtbild allgemein, isch’s awwer echt käu Wohlfühloase g’wese!
Rasant wachsende Wohnquartiere, qualmende Fabrikschlote, Chemie und G’stank, und laut war’s üwwerall!
S’Schaffe gehe war ä Maloche im Schichtbetrieb, mit ewiglange Arbeitszeite, für wenig Geld, dafür awwer Dreck, Lebensg’fahr am Arbeitsplatz, Armut, schlecht ernährt, elend g’wohnt!
Aus de Kindheit isch mer uf direktem Weg ins erwachsene Arbeitslebe ei‘getrete. De Begriff “Jugend“ hat erscht zur Wende ins 20. Jahrhundert Erwähnung g‘funde. Also kann mer sich ruhig frage:

Was gibt’s denn Schöneres, wie owwerhalb von Oberkirch, uf‘m Sohlberg, de Blick, üwwer die weite Rheinebene schweife zu lasse, wo ma deutlich de Münschterzipfel erkenne kann, und am Horizont, vis -a-vis, die Vogese, als Pendant zum Schwarzwald?

Es isch 1896 ä Jugendbewegung entstande. Die hän sich “ Die Wandervögel“ g’nennt und sich 1901 als Verein formiert. Ihr Wappe war de Vogel Greif. In denne Zeite sind jo unglaublich viele Vereine gegründet worde, wie mer heit au noch kennt.
Im Jahr 1909 isch dann äm Richard Schirmann die Idee von de Jugendherberge eig’falle.

Die Jugendliche, die sich zur Jahrhundertwende, hier owwe im alde Sohlbeeghaus getroffe hän, kame aus ganz Europa. Und wenn’s eng wurd, gabs Matratzelager unnerm Dach. Sie wollte in de Ferie und an freie Tage naus aus de städtische Hektik, wollte än Sommermorge entstehe sehe, blühende Heide bei stiller Mittagszeit uf’m Berg erlebe, rauschendes Meer, Gemäuer von verfallene Burge, und sternübersäte Nachthimmel! Sie wollte durch die Welt wandern, Bauern bei de Ernte helfe, und s’G’fühl habe, Teil der Natur zu sei.
Wie oft wurd hier drobe, uf de Wies‘ beim Lagerfeuer, wohl zu de Klampf‘ gesunge?
„Aus grauer Städte Mauern, zieh’n wir durch Wald und Feld. Wer bleibt, der mag versauern, wir fahren in die Welt“ – so geht de Texscht von sellem berühmte Wanderlied, wo ja au noch de heitere Kehrvers dazu g’hört: „Halli Hallo wir fahren! Wir fahren in die Welt“.

Im Jahr 1930 hat mer die neue Jugendherberge gebaut, die heut noch uf’m Sohlberg steht. Die wurd in 1990er Jahre g’schlosse, weil do käuner mehr Bock uf so ebbes g’hat hätt.

De erschte Schritt für Tourismus im Schwarzwald geht uf des Jahr 1760 zurück. Do wurd de erschte Linienverkehr mit de Postkutsch ufgenomme. Die Adlige sind natürlich luxuriöser zu de Thermalbäder g’reist. Also, mit eigener Kutsche mit feiner individueller Inne‘ausstattung. Die war selbstverfreilich an die Uniforme von de Kutscher und Diener angepasst. Von edle Pferde gezoge, zur Wellness mit Kupfer, Salpeter und Schwefel gege die Wewehle.

De deutsche Mittelstand hat än ganz, sehr  spezifische Urlaub g’macht: Es ging in die sogenannte “Sommerfrische“! Also mit de ganze Familie uf’s Land!

1864 hän Wirte und Industrielle de Schwarzwaldverein gegründet. Im Jahr 1873, hat de Josef Martin Weis, s‘Gaschthaus “uf’m Sand“ gepachtet. Do hän normal immer d’Waldarbeiter üwwernachtet. De Herr Weis, der sei Geld zuerscht als Gendarm verdient g’hat hätt, konnt dann, in sei’m Glück, am Plättig ä neues Gebäude baue. Ins Kurhaus Plättig kam dann die Gästeschar, sogar aus Rußland und Frankreich und England. Alleweil, die Kaiserin Elisabeth aus Österreich, als Sissi bekannt, wurd‘ au von de Familie Weis beköschtigt.
Ma hat im ganze Schwarzwald Wanderwege ausgebaut und Wasserfäll begehbar g’macht. Die Stroße zu de Höhekurorte wared derzeit jo bloß Schotterwege. Es gab tatsächlich Naturschutzgruppe, die – hundsgemein – Gräbe durch die Zufahrtswege gezoge hän, um de Automobilverkehr zu verhind’re.
1928 hat ma begonne, die Schwarzwaldhochstraß‘ von Baden Baden bis Freudenstadt zu baue. Ab 1952 war se dann als B 500 uf 55 Km durchgängig befahrbar.
und jetzat däd ich äufach vorschlage, dass mir uns demnäxscht, bei de 5. Folge, Sohlberg History, widder treffe. Uf unserm kläune Ausflug – mit de siebe-Meile-Stiefel durch die Vergangeheit – mache mir dann die  Etappe unter dem Motto
HOLZVERGASER UND BEATHAUS

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