25. Januar 2026

Sprachstub von Edgar Zeidler: Kràmbol, kràmbole ùn kràkeele

Edgar Zeidler

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Kràmbol, kràmbole ùn kràkeele

Was das französische Billard, in der Fachsprache carambole, mit Kràmbol zu tun hat.

In Straßburg, Mulhouse und Colmar weiß man, was Kràmbol bedeutet, nämlich Krach, Lärm oder Radau. Kein Wunder, es stammt schließlich aus dem Französischen carambole. Dieses carambole ist deswegen interessant, weil es aus dem Spanischen und Portugiesischen carambola entlehnt ist. Um 1600 bezeichnete es eine orangefarbene Frucht aus Südindien, die heute bekannt ist für ihren hohen Vitamin C-Gehalt. Anfang 1900, als das Billardspiel, das in der französischen Fachsprache carambole heißt, groß aufkam, nannte man die rote Kugel carambole, weil sie an die Farbe der besagten Frucht erinnerte. Das Verb caramboler hat heute eine doppelte Bedeutung: Im Billard mit seiner Kugel die zwei anderen Kugeln treffen, und laut mit etwas zusammenstoßen. Womit wir wieder beim elsässischen kràmbole, Krach schlagen, wären.

Kràmbol ist aber nicht immer negativ. Wenn Albert Matthis schreibt: „Wenn’s Kràmbol gìtt ìn de Wälder“, meint er das laut-fröhliche Erwachen des Frühlings im Walde. Die Frage der Kontamination stellt sich allerdings, wenn Martin und Lienhardt Kràmbolwàsser als Synonym für Karbol erwähnen. Die Linguisten wissen ja um die Beweglichkeit des schwach artikulierten < r >, illustriert in Wörtern wie Burne und Brunne, Brunnen, oder Ortsnamen wie Brunstatt oder Burnhaupt.

Mit kràmbole nicht ganz gleichbedeutend, weil negativer, ist kràkeele. Sofort fällt einem das lautmalende crac ein, welches Ausgangspunkt für kràkeele, krakeelen, ist, im Sinne von lärmen und streiten. Es wird niemanden überraschen, dass der Kràkeeli oder Kràkeeler den Radaumacher oder Schreihals bezeichnet, und Kràkeel (m. oder nt.), der Krakeel, lauter Streit und lärmender Zank bedeutet. Dessen Ursprung könnte auch italienisch sein: gargagliata bezeichnet nämlich einen von vielen Leuten verursachten Lärm, z.B. wenn sie wild durcheinanderreden oder-singen. Oder aber es ist übers Neuniederländische in den alemannischen Sprachraum gelangt (16. J.), wo krakeelen die Streckform von kreelen ist, das aus dem frz. quereller, streiten, entlehnt ist.

Heute wird im Elsass meist das Verb in Verbindung mit Kindern benutzt: D Kìnder kràkeele ìm Schüelhof. Doch „meist“ heißt nicht „ausschließlich“, wie etwa dieser Straßburger Spruch beweist: „Wenn sìe scheelt un kràkeelt, allein wìll ànhàn d Hosse, do lejt de Mànn, min Seel, au nìt ùff Pflüüm un Rose.“

E. Zeidler, W. Wurth

 

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