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2020-02-14

Buchbesprechung Anton Ottmann: Badisch ist nicht gleich Badisch von Manfred Kurfiß

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Viele Wörter aus dem Buch „Badisch“ von Manfred Kurfiß finden sich auch rund um Wiesloch 

Von Anton Ottmann

Eisingen. „Schlambisch g’schafft“ (unordentlich gearbeitet), „Du kriegsch glei oini uff’d Rieb nuff“ (gleich bekommst du Schläge) und „Des hot die widder briewarm verzählt“ (das hat sie prompt weitererzählt). Diese und viele andere Redensarten in Mundart findet man in dem Buch „Badisch“ von Manfred Kurfiß aus Eisingen bei Pforzheim.
Kern des Buchs ist ein alphabetisches Wörterbuch, ergänzt mit illustrierten Kurzgeschichten, die von sprachlichen Missverständnissen, mündlich weitergegebenen Anekdoten und ausgestorbenen Bräuchen handeln. Beispielsweise die vom Ortsbüttel, der früher die neusten Nachrichten mit der „Schelle“ verkündete, oder dem „Stoinemer“, der von einem Ausflug nach Berlin zu berichten weiß: „Weeste, Berlin jewesen, Kuhdamm jeloofen, Trottoir nonner dappt!“ Es findet sich auch ein Anhang mit unübersetzten „Sprüchen“ und einer Geschichte, damit der Leser seine Mundart-Fertigkeiten testen kann. Unterstützt wurde die Herausgabe des Buches vom „Leibniz-Institut für Deutsche Sprache“ in Mannheim.
Der Verfasser weiß, dass Badisch nicht gleich Badisch ist. Wie er im Vorwort ausführt, ist im Norden Badens die Mundart „stark kurpfälzisch und fränkisch durchsetzt“ und das „Karlsruherische“ pfälzisch angehaucht. Das Südbadische wiederum erinnere stark an das Alemannische und Elsässische. Viele Grundbegriffe seien aber gleich, man finde sie teilweise auch im Schwäbischen.
Nach Meinung von Kurfiß findet man die meisten Gemeinsamkeiten aller badischen Dialekte im „Mittelbadischen“, aus dem er deshalb das Wörterbuch gespeist hat. Direkt gesprochen werde diese Variante in den Kreisen Bruchsal, Calw, Enz und Rastatt, zumindest teilweise auch im Kraichgau, Zabergäu, in der Heilbronner Gegend und im Hegau. Er stellte insbesondere fest, dass in den Städten Pforzheim, Heilbronn und Schwäbisch Hall der gleiche Dialekt gesprochen wird, das rühre vermutlich daher, dass die drei Städte im Mittelalter durch die „Salzstraße“ miteinander verbunden waren.
Wenn man in der Wörtersammlung des Buchs auf Spurensuche geht, so wird man feststellen, dass sich viele Mundart-Wörter auch in den Dialektvarianten rund um Wiesloch finden. Beispiele: „verseggle“ (jemand hereinlegen), „Weck“ (Brötchen), „Schlabb“ (Tratschweib), „Haag“ (Hecke, Zaun) und „Gruuscht“ (unnützes Zeug). Manchmal unterscheiden sie sich nur durch kleine sprachliche Verschiedenheiten wie „Grombiere“ für Kartoffel im Mittelbadischen und „Grumbiere“ in der Kurpfalz. Manfred Kurfiß ist ein sehr aktiver und umtriebiger Rentner, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Als gelernter technischer Kaufmann war er unter anderem für ein großes französisches Unternehmen tätig. Seine große Leidenschaft ist aber die Musik. In der bekannten Pforzheimer Big Band „brandheiß“, die er eine Zeit lang auch managte, spielt er heute noch Trompete.
Zu seinem Buch kam er mehr durch Zufall. Wenn er am Stammtisch originelle Dialektsprüche hörte, schrieb er sie jahrelang auf Bierdeckel, die er aufhob, in der Befürchtung, dass sie verloren gehen könnten. Er bedauert sehr, dass die badischen Dialekte nach und nach verschwinden. Hauptgrund sei, dass die Kinder in der Schule zum Hochdeutsch-Sprechen angehalten würden, erzählte er der RNZ. Es ärgere ihn, dass in Bayern die regionalen Dialekte in der Schule unterrichtet werden, in Baden-Württemberg hingegen „häufig unterdrückt“.
Eines Tages kam ihm die Idee, seine Sammlung in einem Buch herauszugeben und nach längerem Suchen fand er schließlich das J. S. Klotz Verlagshaus aus Neulingen, das im Schloss Bauschlott ein Kulturzentrum unterhält und regionale Kultur unter anderem durch die Herausgabe hochwertiger Bücher unterstützt. So ist auch mit „Badisch“ ein 70 Seiten umfassendes Büchlein mit einem schönen Hardcover-Umschlag und ansprechender Text- und Bildgestaltung auf Hochglanzpapier entstanden.
Info: Manfred Kurfiß, Badisch, das beschde Südweschtd-Hochdeutsch, J. S. Klotz Verlagshaus, Neulingen 2019, ISBN 978-3-948424-07-7.

Anton Ottmann - 18:03:35 @ Anton Ottmann